Wissenswertes zum Thema Epilepsie

Da es verschiedene Epilepsie-Arten gibt, die bei jedem Menschen eine individuelle Form annehmen können, spricht man auch besser von Epilepsien!

Weltweit erkrankt ca. 1 % der Bevölkerung (800.000 Menschen in Deutschand) an Epilepsien. Ca. 5 % der Gesamtbevölkerung bekommt einmal im Leben einen epileptischen Anfall! Man spricht allerdings erst von Epilepsie als Krankheit bei 2 oder mehr Anfällen im Jahr! Epilepsie ist die häufigste chronische (neurologische) Krankheit im Kindesalten. Ca. 270.000 aller Betroffenen in Deutschland sind vor dem 16. Lebensjahr erkrankt. Jedes Jahr kommen ca. 30.000 Menschen in Deutschland hinzu! Man weiß aus Reihenuntersuchungen, dass ca. 10 % der Bevölkerung ein auffälliges EEG haben aber keine Anfälle. Sie ist keine Erbkrankheit lediglich eine erhöhte Bereitschaft zu Anfällen wird vererbt!

Der epileptische Anfall:

Nervenzellen korrespondieren durch elektrische Impulse miteinander Epileptische Anfälle werden durch plötzliche extreme Aktivitätssteigerungen dieser Impulse im Gehirn hervorgerufen und sind Symptome einer vorübergehenden Störung. Bei einem Anfall breitet sich die überschießende elektrische Aktivität im Gehirn blitzartig aus. (bildlich vergleichbar mit einem Gewitter) Dabei unterscheidet man 2 Hauptanfallstypen: den fokalen bzw. partiellen Anfall, der sich nur auf ein bestimmtes Gebiet im Gehirn beschränkt und den generalisierten Anfall, der sich von Anfang an auf das ganze Gehirn auswirkt, was zu einer Störung mehrerer Körperfunktionen und oft auch zu Bewusstlosigkeit führt. Normalerweise werden bei einem Anfall keine Gehirnzellen zerstört! Eine Ausnahme ist der Status epilepticus, dabei reihen sich mehrere Anfälle aneinander und der Betroffene kommt längere Zeit nicht zu Bewusstsein. Dabei kann Sauerstoffmangel zu Schäden im Gehirn führen!

Wichtige Epilepsieformen:

Epilepsie zu haben, bedeutet nicht zwangsläufig, dass man auch Anfälle bekommt. Die Anfälle sind die Symptome dieser Krankheit! Es gibt sehr viele verschiedene Formen von Epilepsien. Am besten bekannt ist der Grand Mal, der Große Anfall. Es handelt sich meist um einen generalisierten, tonisch-klonischen Anfall, bei dem das Bewusstsein weg ist und oft der ganze Körper in einen Krampf fällt, er dauert ca. 2-5 min; Erste Hilfemaßnahmen sehen Sie dazu auf der Seite “Interessantes”! Auch sehr oft treten Absencen, ,,kleine Anfälle", auf. Dabei ist der Betroffene kurz ohne Bewusstsein, macht eine Redepause oder setzt bei anderen Tätigkeiten aus, ist aber oft schon nach mehreren Sekunden wieder da und führt seine Tätigkeit fort! Dies geschieht ohne Krampf! Es treten auch häufiger Psychomotorische Anfälle, das sind komplex-fokale Anfälle, und einfach fokale Anfälle auf

Ursachen, die zu Anfällen führen:

Die Ursachen für etwa 50 % aller Epilepsien ist unbekannt! Nahezu jede Gehirnerkrankung kann eine Epilepsie auslösen. Bekannte Ursachen bei Epilepsien im Kindesalter sind Hirnschädigungen während der Schwangerschaft, Sauerstoffmangel bei der Geburt, Infektionskrankheiten des Gehirns und der Hirnhäute im Kindesalter sowie Stoffwechselerkrankungen! Die häufigsten Ursachen im Erwachsenenalter sind Hirnverletzungen nach Unfällen, Hirntumore, Gefäßerkrankungen des Gehirns (bes. Arteriosklerose) und Alkoholismus. Dabei ist bisher noch weitgehend unbekannt, wie viele Menschen die Veranlagung besitzen, auf Stress, Schock und änliches mit Anfällen zu reagieren! Ein Krampfanfall kann als Gelegenheitsanfall bei jedem einmalig auftreten, ohne dass man dabei von Epilepsie spricht und ohne dass man diesen medikamentös behandeln. Dieser kann durch lang andauernden Schlafmangel, zuviel Alkohlgenuß, Unfall, Sauerstoffmangel, Vergiftung, schwere Infektionen sowie Blutzuckerabfall durch evtl. extremen psychischen Streß oder Schock provoziert werden.

Behandlung:

Die Epilepsie gehört zu den gut behandelbaren Erkrankungen. Durch eine geeignete Therapie können heutzutage 70% aller Betroffenen anfallsfrei werden! Die häufigste Therapie ist die regelmäßige Einnahme von Anfallsunterdrückenden Medikamenten. Eine zufriedenstellende Medikamenteneinstellung ist oft schwierig, und erfordert Geduld, da oft verschiedene Produkte ausprobiert werden müssen. Man sollte sich auf jeden Fall an Neurologen wenden, die in der Epilepsiebehandlung erfahren sind! Komplizierte Einstellungen werden in der Epilepsie -Ambulanzen oder Zentren vorgenommen. Über unsere Selbsthilfegruppe bekommen sie Adressen, auch von Epileptologen! Um eine gute Diagnose stellen zu können, sollte der Betroffene den Anfall und die Situation gut beschreiben können. Dazu sollten Anwesende den Anfall gut beobachten und den Anfall beschreiben. Die Einstellung mit Medikamenten ist meisten von mehr oder weniger starken Nebenwirkungen begleitet; sind diese zu stark sollte ein anderes Medikament ausprobiert werden. Typische Nebenwirkungen können sein: Gereiztheit, Antriebslosigkeit, Gewichts zu bzw. abnahme, psychische Veränderungen, Doppelbilder, Schwindel, Übelkeit, Müdigkeit, Hyperaktivität. (eine gute Broschüre über Wirkungen und Nebenwirkungen der Medikamente bekommen sie über die Selbsthilfegruppe darin sind auch die neuerschienenen Medikamente mit einbezogen; sehr interessant, wenn man sich etwas genauer für die Medikamente interessiert!) Es sollte ab und zu eine Kontrolluntersuchung der Blutwerte vorgenommen werden, um die Körperverträglichkeit der Medikamente zu überprüfen und um Folgeerkrankungen rechtzeitig zu erkennen und einzudämmen. EEG-Kontrollen sind wichtig als ergänzende Untersuchung bei der Veränderung des Anfallsverhaltens. Sie sind nicht unbedingt jedes Quartal notwendig.

Die Vagus-Nerv-Stimulation ( VNS ) ist eine völlig andere Methode der Epilepsietherapie. Dabei geht man davon aus, das eine Reizung des Hirnnerven Vagus, eine Veränderung im Gehirn bewirkt, die das Gehirn wenigen Anfallsbereit macht. Es wird ein Schrittmacher, mit der größe einer Taschenuhr, ambulant unter den linken Brustmuskel eingesetzt. Dieses Gerät ist mit einer Reizelektrode verbunden, die auf der linken Halsseite an den Vagusnerv angeschlossen ist. Der Nerv wird ca. alle 5 Minuten gereizt und es kommt so zu einer möglichen Anfallsunterbrechung. Der Vorteil ist, das VNS keine Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten aufweist und ausser einer manchmal auftretenden Heiserkeit keine Nebenwirkungen zeigt ( Weitere Informationen dazu können sie an einem Gruppenabend erhalten ) Zusätzlich zu der Behandlung wirken ergänzende Therapien sehr gut auf das allgemeine Wohlbefinden und können die Behandlung erfolgreich unterstützen; z.B. Reiki, Homöopathie, Shiatsu. Auch psychologische Methoden zur Anfallsvermeidung wie z.B. Selbstkontrolle oder Autogenes Training können teilweise erfolgreich eingesetzt werden

Wenn unterschiedlich ausprobierte Medikamente oder Therapien nicht helfen, besteht die Möglichkeit einer Epilepsie Operation. Dabei kommt es aber auf die Epilepsieart an. Es sind umfangreiche Voruntersuchungen notwendig, die viel Zeit und Geduld von dem Betroffenen erforden. Die Methoden wurden in den letzten Jahren erheblich verbessert, so das dieser Eingriff, nicht mehr so gefährlich ist. Ein Restrisiko nimmt man jedoch auf , deshalb sollte ein Eingriff gut überlegt sein. Adressen bekommen sie über die Selbsthilfegruppe