Informationen zu “Epilepsie und Schule”

Epilepsie ist die häufigste chronische (neurologische) Krankheit im Kindesalter. Da es verschiedene Epilepsie - Arten gibt, die bei jedem Menschen eine individuelle Form erhalten, spricht man besser von Epilepsien.

Schüler können zu unterschiedlichen Lebenszeiten an verschiedenen Arten von Epilepsien erkranken, was den Umgang mit ihnen unterschiedlich gestalten läßt. Die Hälfte aller Epilepsiekranken bekommen die Krankheit vor dem 15. Lebensjahr! Die Epilepsieaufklärung in den Schulen ist daher ein wichtiges Thema, das bis 1997 wenig Beachtung fand! Der bayrische Landesverband der Epilepsie-Selbsthilfe (LV) hat den ersten wesentlichen Schritt unternommen, um die Aufklärung voran zu treiben. Im Oktober 1997 wurde dem Antrag des Landesverband zur Lehrerfortbildung über das Thema “Epilepsie” vom Ministerium zugestimmt und seitdem müssen alle Lehrer in Bayern an einem Seminar zur Epilepsieauiklärung teilnehmen. Aufgrund der Wichtigkeit des Themas war auch der ,,Tag der Epilepsie" 1998 dem Thema ,,Epilepsie und Schule" gewidmet. Es wurden vielfach Zeitungsartikel geschrieben, Prospekte gedruckt und Disketten mit Texten zu diesem Thema erstellt und an alle Selbsthilfegruppen verschickt. Ende 1998 bat uns eine Referendarin der Berufsschule EHS in Trier um Unterlagen für eine Unterrichtsreihe über das Thema Epilepsie, zu dessen Abschluß sie eine Fragestunde mit einigen Gruppenmitgliedern in ihrer Klasse gestalten wollte. Dann haben ca. 5 Mitlieder der SAAT e.V. die Fragen der Schüler beantwortet und von ihren eigenen Erfahrungen mit Epilepsie erzählt. Die Schüler waren sehr beeindruckt von unserer Offenheit im Umgang mit der Krankheit. Sie bestätigten uns im nachhinein, dass ihnen diese Fragestunde viele Informationen gebracht hat, die ein Außenstehender nicht gut vermitteln kann!

Unsere Selbsthilfegruppe hatte beschlossen, selbst einige Schritte für die Epilepsieaufklärung an rheinland-pfälzischen Schulen zu unternehmen! Zunächst haben wir im Herbst 1998 53 Schulen mit Prospekten angeschrieben, um auf das Thema aufmerksam zu machen. Wir bekamen keine Antwort! Daraufhin haben auch wir einen Antrag für Lehrerfort- und weiterbildung an das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Weiterbildung in Mainz geschickt, der aber letzten Endes abgelehnt wurde!

Glücklicherweise hat uns aber der Schulrat der Bezirksregierung Trier, Herr Philipps, seine Unterstützung zugesagt, ein Lehrerseminar auf freiwilliger Basis zu veranstalten! Dieses Seminar fand 1 Jahr später im Februar 2000 statt. Herr Philipps hat die Schulleiter unterschiedlicher Schultypen im Regierungsbezirk Trier angeschrieben und den Kontakt zu Frau Förster von der SIL (staatliches Institut für Lehrerfort- und Weiterbildung) in Saarburg hergestellt, wo dieser Informationstag auch statt fand. Wir konnten Klaus Göcke, den 1. Vorsitzenden der Deutschen Epilepsievereinigung (DE) gewinnen, um uns an diesem Tag zu unterstützen!

An diesem Tag haben wir die Lehrer zum einen über Grundsätzliches der Krankheit informiert, dabei waren Themen wie: Die Definition von Epilepsie, Ursachen der Krankheit, Formen der Epilepsien, Erste Hilfe in Akutsituationen, Verabreichung von Medikamenten im Notfall, Beeinträchtigung der Schüler durch die Medikamente oder häufige Anfälle, die sich auf die Lern- und Leistungsfähigkeit auswirken können; typische Nebenwirkungen können sein: Konzentrationsstörungen, Müdigkeit, Reizbarkeit, Doppelbilden Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Magenbeschwerden, Gleichgewichtsstörungen oder auch Hyperaktivität. Zum anderen wurden viele Fragen geklärt, wie z.B. Lehrer die unterschiedlichen Arten der Epilepsie erkennen können und beschreiben können, wie Sie im Sportunterricht mit Betroffenen umgehen sollten, Fragen zur Aufsichtspflicht des Lehrers. Es ergaben sich Diskussionen über Möglichkeiten der besseren Integration der Betroffenen, zu Hilfestellungen bei der Akzeptanz der Mitschüler, Hilfestellungen für den betroffenen Schülen. Durch kleinere Diskussionsrunden kamen alle zu Wort. Durch die Videofilme - ,,Turbulenzen im Gehirn" und ,,Sport und Epilepsie" - konnten wir die Inhalte sehr gut verdeutlichen!

Die Rolle des Lehrers im Umgang mit Betroffenen konzentriert sich einmal auf die diagnostische Funktion: Einige Anfallsphänomene werden erstmals in der Schule bemerkt. Falls ein Schüler ein mögliches Symptom aufweist, sollte er von dem Lehrer genau beobachtet werden, der Lehrer kann entscheidend bei der richtigen Diagnosestellung beitragen und so auch mithelfen, daß die richtigen Medikamente verabreicht werden! Zum anderen hat der Lehrer die integrative Funktion; d.h., der Lehrer kann dem betroffenen Schüler helfen, indem er seine Integration in den Klassenverband fördert. Die Klasse sollte den Betroffenen als dazugehörig akzeptieren, als ein Kind, das sich, abgesehen von wenigen Besonderheiten, verhält wie jedes andere. Es empfiehlt sich, ein informatives Gespräch mit den Mitschülern zu führen. Kinder und Jugendliche sind in der Regel sehr verständnisvoll, wenn sie wissen, worum es sich handelt. Ob der betreffende Schüler daran teilnimmt, muß von Fall zu Fall entschieden werden! Lehrer sollten auch das Gespräch mit den Eltern suchen, die oft verunsichert und verängstigt sind. Für Lehrer ist es sehr wichtig zu wissen, daß Aufsichtspersonen nur bei Vorsatz und Fahrlässigkeit haften. Die Verantwortung liegt nicht darin jedes Risiko von dem betroffenen Schüler femzuhalten, sondern dem Schüler in seiner Situation die Zuwendung zu geben und eine Hilfe zu sein, soweit das möglich ist. Die meisten Kinder mit Epilepsie sind normal intelligent und können auch mit gelegentlichen Anfällen normale Schulen besuchen. In allen Fällen, in denen ein normaler Schulbesuch möglich ist, besteht auch keine Veranlassung betroffene Schüler von Schulausflügen und Aufenthalten in Ferienlagern auszuschließen. Gering erhöhte Risiken (wie z.B. kurzzeitiger Schlafentzug) sollten im Interesse einer für das Gefühl der Gruppenzugehörigkeit wichtigen Teilnahme in Kauf genommen werden. Dies gilt auch insbesondes beim Sport. Das Kind kann an allen Sportarten teilnehmen, außer sie sind mit Absturzgefahr ( Geräteturnen) verbunden. Auch Schwimmen ist unter Aufsicht erlaubt und sogar erwünscht! Leider werden im Kindes- und Jugendalter noch immer viele Anfallskranke vom Sport befreit oder entziehen sich durch Klagen über Müdigkeit oder aus Furcht vor Anfällen. Anhand einer Sport-Tabelle, die Empfehlungen für den jeweiligen Anfalltyp gibt, kann jeder eine geeignete Sportart für sich finden. Selbst für Anfallkranke mit motoriscben Behinderungen läßt sich in der Regel eine für sie mögliche Sportart vorschlagen. Dabei sollte aber immer beachtet werden, daß die sportliche Anforderung immer individuell dem Epilepsieverlauf angepaßt werden muß.

Eltern und Lehrer sollten ihre Erwartungen möglichst nicht unangemessen hoch oder tief ansetzen! Schlechte Schulleistungen müssen nicht direkt mit der Epilepsie zusammen hängen. Obwohl die meisten betroffenen Kinder sich in Leistung und Verhalten nicht von ihren Mitschülern unterscheiden, werden sie teils durch Überbehütung in der Familie, teils durch Unterforderung in der Schule ins Abseits gedrängt, was ungünstige Konsequenzen für die Schullaufbahn und die Berufswahl hat. In der Schule werden die Weichen für den künftigen Lebensweg des betroffenen Schülers gestellt. Lehrer können in vielen Fällen dazu beitragen, daß die betroffenen Schüler die gleichen Chancen erhalten wie alle anderen auch!

Das letzte Tagesseminar für Lehrer mit dem Thema Epilepsie fand am 25. April 2001 an der Berufsschule EHS in Trier statt! Dies geschah auf eine Einladung seitens der Schule zum Studientag. Es nahmen nur Lehrer der BBS EHS teil! Der Tag wurde ähnlich gestalten, wie das erste Lehrerseminar in Saarburg mit Vortrag, Diskussion, Beantwortung von Fragen und dem Zeigen passender Filme! Wir hoffen auch weiterhin Lehrern wichtige Informationen mit auf den Weg geben!