Flugreisen mit Epilepsie und was ich beachten muss

Patienten mit einer hohen Frequenz von Anfällen mit Bewusstseinsstörung sollten stets einen Notfall - Ausweis bei sich tragen und – soweit möglich – in Begleitung reisen. Flugreisen führen allgemein nicht zum auslösen von epileptischer Anfälle. Beim zufälligen Auftreten eines komplexpartiellen oder Grand-Mal Anfalles während einer Flugreise sind die Bedingungen für eine Hilfeleistung insbesondere wegen der räumlichen Enge erschwert. Es wird von daher empfohlen, besonders während längerer Flugreisen den antikonvulsiven Schutz zu verbessern. Dies könnte durch die vorübergehende Dosiserhöhung der bestehenden Medikation geschehen, falls hier noch Dosierungsspielräume nach oben bestehen.

Eine alternative Möglichkeit stellt die vorübergehende Einnahme eines Benzodiazepins (z. B. 2–3 x 5 mg Diazepam) für den Zeitraum der Flugreise dar. Bei längeren Flügen kann es bedingt durch das Schlafdefizit bzw. die Zeitumstellung zur Auslösung von Anfällen kommen. Bei Flügen mit Verlängerung der Tageszeit um mehr als 4 Stunden sollte nach Ankunft zusätzlich ein Drittel bis eine halbe der Tagesdosis eingenommen werden. Danach ist die Medikamenteneinnahme nach dem bisherigen Plan fortzusetzen. Bei Flugreisen mit Tagesverkürzung ist wie bisher nach Plan fortzufahren. Eine dadurch bedingte geringfügige Erhöhung des Serumspiegels des eingenommenen Antieptileptikums ist in aller Regel unproblematisch

Bitte sprechen Sie vor dem Reiseantritt unbedingt mit ihrem Arzt

Ein Erfahrungsbericht von Ralph Kömmlinger

Im Jahre 2013 flog ich mit einer ATR 42 (Avions de Transport Regional). Dieses Flugzeug ist sehr klein und beengt. Die Kabinenbreite beträgt nur 2,57 m und die Kabinenhöhe nur 1,91 m. Das Flugzeug hat max. 50 Sitzplätze.

Der Kurzstreckenflug dauerte eineinhalb Stunden und der Flug war sehr ruhig und angenehm bis auf die beengte Sitzsituation. Der Kapitän gab dann 15 min vor der Landung bekannt das wir jetzt im Landeanflug sind und die Passagiere sich bitte anschnallen sollen. Dies taten alle und das Flugpersonal prüfte dies und schnallte sich dann auch an. Ich hatte einen Fensterplatz und neben mir sah’s ein älterer Herr. Ich schaute aus dem Fenster und sah mir die Landschaft an. Dann 5 min vor der Landung bemerkte ich plötzlich das der ältere Herr neben mir anfing zu zucken,. die Augen verdrehte. Dies war für mich ein Indiz für einen epileptischen Anfall. Ich schnallte mich ab und informierte die Flugbegleiterin die auch direkt kam. Sie hatte leider keine Ahnung was jetzt zu tun ist da sie so etwas noch nie gesehen hatte. Ich öffneten dann seinen Sicherheitsgurt und versuchen die Rückenlehne nach hinten zu machen. Ein legen in den Gang war durch die Enge des Flugzeugs und des Gewichts des Herrn nicht möglich. Die umsitzenden Personen bekamen dies alles natürlich auch mit. Der ältere Herr hatte so viel Glück im Unglück denn zwei Reihen vor uns war eine Neurologin die genauso wie ich direkt den epileptischen Anfall feststellte. Somit waren zwei Personen da die genau wussten was zu tun ist. Das Flugzeug landete während wir uns um den Herrn kümmerten. Als wir gelandet war sprangen natürlich wie üblich alle Fluggäste auf wollten so schnell wie möglich aus dem Flugzeug. Da der Herr noch nicht bei Bewusstsein war blieben die Neurologin und ich sowie die Flugbegleiterin noch im Flugzeug. Es wurde bereits im Anflug ein Krankenwagen gerufen. Durch die Fluggäste die raus wollten kamen die Sanitäter erst ca. 5 min nach der Landung ins Flugzeug.Diese Sanitäter in der Slowakei hatten allerdings auch keine Ahnung im Umgang mit Epilepsie. Der Herr war mittlerweile aufgewacht aber wir konnten uns nicht mit ihm unterhalten da er weder englisch noch deutsch sprach. Erst als die Sanitäter im Flugzeug waren konnte er gefragt werden was denn passiert sein. Es stellte sich heraus das er Epileptiker ist und vergessen hatte seine Tabletten zu nehmen und dadurch der Anfall entstand. Er reiste allein und hatte keinen Notfall-Ausweis oder sonstiges bei sich. Wären die Neurologin oder ich nicht anwesend gewesen hätte vielleicht keiner gewusst was mit dem Mann war und es hätte vielleicht eine Notlandung (während des Fluges und nicht bereits beim Landeanflug) geben müssen oder es wäre vielleicht falsch behandelt worden. Das Ende vom Lied war das der Herr beleidigt war das ein Krankenwagen gerufen wurde der wieder leer zurück fuhr. Auch ein Dankeschön für die Hilfe der Neurologin und mir war nicht drin. Er war einfach nur beleidigt und wollte sich nicht weiter helfen lassen. Wie es weiter ging kann ich nicht sagen. Ob die Fluggesellschaft weitere Schritte eingeleitet hatte eund wie er nach hause kam entzieht sich meiner Kenntnis.

Dies war für mich eine Erfahrung die mich in meiner Arbeit in der Epilepsie Selbsthilfegruppe bestärkt. Epilepsie muss mehr in die Öffentlichkeit denn wie sich manche Fluggäste verhalten haben nach der Landung fand ich beschämend. Ich habe mich ebenfalls um 30 min verspätet aber ich erklärte meinen Geschäftspartner die Situation und sie hatten vollstes Verständnis dafür nicht wie einige Fluggäste.

Ich kann jedem Epileptiker empfehlen immer einen Notfallausweis und einen SOS Talisman dabei zu haben. Diesen gibt es als Halskette oder Armband und hier sind alle wichtigen Informationen vorhanden.

die ATR 42 wo dies alles passierte

Sollten sie sehr häufig Anfälle bekommen informieren sie die Fluggesellschaft vorher über ihre Epilepsie.